22 Stunden zuvor
Der Letzte, der das Schiff verließ, nahm sich die Zeit, die Ladeluke zu verriegeln.
Nicht aus Grausamkeit. Das Wort hätte ihn überrascht. Er hatte Aufgaben, und er erfüllte sie. Das hier war eine davon - eine unter vielen, kleiner als manche, größer als andere, unwesentlich in dem Moment, in dem er sie ausführte, weil er aufgehört hatte, Handlungen in solchen Kategorien zu messen.
Das Schloss war ein einfaches Vorhängeschloss, das man für vier Euro neunzig an jedem Baumarkt kaufte.
Er hatte es aus der Jackentasche gezogen, durch den Bügel der Öse geführt, zugedrückt. Klick. Das war alles.
Die Nacht über dem Wesel-Datteln-Kanal war wolkenlos. Die Sterne spiegelten sich im schwarzen Wasser mit der Selbstverständlichkeit von etwas, das seinen Dienst tat, ohne darüber nachzudenken. Das Licht der fernen Schlote am Horizont - Herne, Gelsenkirchen, das leise Glühen der Industrie, die nie schlief - machte das alles rötlich, als würde hinter der Welt etwas brennen, das man nicht sah.
Er kletterte ins Beiboot.
Der Außenborder sprang beim zweiten Versuch an.
Er fuhr westwärts, nicht schnell - die Geschwindigkeit von jemandem, der wusste, wohin er wollte und keine Eile hatte, weil die Eile keinen Unterschied mehr machte.
Hinter ihm, in dem kleinen Frachter MS Graupelkorn, warteten elf Menschen auf eine Antwort, die nicht mehr kommen würde.
Der Kanal war still.
Er war es immer.
22 Stunden zuvor
Der Letzte, der das Schiff verließ, nahm sich die Zeit, die Ladeluke zu verriegeln.
Nicht aus Grausamkeit. Das Wort hätte ihn überrascht. Er hatte Aufgaben, und er erfüllte sie. Das hier war eine davon - eine unter vielen, kleiner als manche, größer als andere, unwesentlich in dem Moment, in dem er sie ausführte, weil er aufgehört hatte, Handlungen in solchen Kategorien zu messen.
Das Schloss war ein einfaches Vorhängeschloss, das man für vier Euro neunzig an jedem Baumarkt kaufte.
Er hatte es aus der Jackentasche gezogen, durch den Bügel der Öse geführt, zugedrückt. Klick. Das war alles.
Die Nacht über dem Wesel-Datteln-Kanal war wolkenlos. Die Sterne spiegelten sich im schwarzen Wasser mit der Selbstverständlichkeit von etwas, das seinen Dienst tat, ohne darüber nachzudenken. Das Licht der fernen Schlote am Horizont - Herne, Gelsenkirchen, das leise Glühen der Industrie, die nie schlief - machte das alles rötlich, als würde hinter der Welt etwas brennen, das man nicht sah.
Er kletterte ins Beiboot.
Der Außenborder sprang beim zweiten Versuch an.
Er fuhr westwärts, nicht schnell - die Geschwindigkeit von jemandem, der wusste, wohin er wollte und keine Eile hatte, weil die Eile keinen Unterschied mehr machte.
Hinter ihm, in dem kleinen Frachter MS Graupelkorn, warteten elf Menschen auf eine Antwort, die nicht mehr kommen würde.
Der Kanal war still.
Er war es immer.