Marietta Brem

Dernière sortie

Wie ein Licht am Ende des Tunnels

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr.
Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Die Türe fiel mit einem dumpfen Klicken ins Schloss und Katrin blieb einen Moment im Flur stehen. Der Schlüsselbund hing schwer in ihrer Hand, als hätte er eine Bedeutung, die sie noch nicht fassen konnte, der Schlüssel in ein neues Leben, weil sie das alte nicht mehr ertragen konnte. Hier war es nun, ihr neues Zuhause, wie Tante Clara es genannt hatte.
Es sollte ein Neubeginn sein, ihr Einzug in eine Wohnung, die sie von ihrer Tante bekommen und nur ein einziges Mal betreten hatte. Ohne Sven. Sie war ein Geschenk zu ihrem achtzehnten Geburtstag gewesen, was sich jetzt wie eine Erinnerung an ein Leben anfühlte, das mehr und mehr an Wirklichkeit verlor. Der Flur war eng, die Wände weiß gestrichen. Es roch nach frischer Farbe und nach Staub, der sich trotz des Lüftens in den letzten Wochen angesammelt hatte.
Danke, Tante Clara, dachte sie in diesem Moment. Sie wusste, dass die Schwester ihrer verstorbenen Mutter die ganze Wohnung hatte renovieren lassen, als klar wurde, dass sie, Katrin, in absehbarer Zeit hier einziehen würde. Stille legte sich über sie, schwer und undurchdringlich, und ihr Herzschlag fühlte sich so laut an, dass sein dumpfes Pochen bis in ihre Ohren drang. Sie ging ein paar Schritte weiter und bemerkte, dass die Dielen unter ihren Tritten leise knackten.
An der linken Wand, gleich neben der Türe zum Wohnzimmer, hing ein überdimensionaler Spiegel. Erschrocken blieb sie stehen und starrte auf die Person, die ihr aus dem frisch geputzten Glas entgegenblickte. Das sollte sie sein, Katrin Widmann, von der man früher behauptet hatte, sie sei eine Schönheit. Verrückt. Sie schüttelte den Kopf. Eine blasse, etwas zu dünne Frau mit großen, ernsten Augen und einer fahlen Gesichtshaut schaute ihr müde entgegen.
Lediglich die schimmernden blonden Locken hatten nichts von ihrer Schönheit eingebüßt, obwohl sie seit Svens Tod nicht mehr viel Aufwand mit ihren Haaren trieb. Hastig wandte sie sich ab und setzte ihren Erkundungsgang fort.

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