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Spektrum Dossier 3/2026 Die Macht der Gene

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  • Nombre de pages84
  • FormatPDF
  • ISBN978-3-69041-104-2
  • EAN9783690411042
  • Date de parution19/06/2026
  • Protection num.Adobe DRM
  • Taille10 Mo
  • Infos supplémentairespdf
  • ÉditeurSpektrum der Wissenschaft

Résumé

Cambridge gilt als Keimzelle der modernen Genforschung. Hier entwarfen James Watson und Francis Crick 1953 ihr Modell der DNA-Doppelhelix - kurz nachdem Rosalind Franklin deren Struktur per Röntgenanalyse aufgedeckt hatte. Weniger bekannt ist, dass die Stadt sogar einen DNA-Radweg besitzt. Über gut eineinhalb Kilometer codieren mehr als 10?000 farbige Linien die Basenpaarsequenz des BRCA2-Gens. Rund sieben von zehn Frauen, bei denen dieses Gen mutiert ist, erkranken im Lauf ihres Lebens an Brustkrebs.
Erstaunlich, welche Folgen ein einziger Defekt in einem winzigen Abschnitt unseres Erbguts haben kann! Zum Vergleich: Würde man das gesamte menschliche Genom im selben Maßstab wie die Radstrecke in Cambridge darstellen, würde der Weg etwa zehnmal die Erde umrunden. So eindeutig wie beim BRCA2-Gen lassen sich genetische Varianten und Krankheiten jedoch selten verknüpfen. Meist geht eine Störung auf ein komplexes Zusammenspiel vieler Gene und äußerer Einflüsse zurück.
Autismus ist ein solches Beispiel: Es gibt nicht das eine Autismus Gen. Fachleute identifizieren zwar immer mehr Varianten, die das Risiko erhöhen - aber wie diese einander beeinflussen und welche Rolle etwa frühe Entwicklungsbedingungen im Mutterleib spielen, ist noch längst nicht vollständig verstanden. Das vorliegende »Spektrum Dossier« beleuchtet die vielen Facetten der Genetik. Was bedeutet es etwa, wenn Musikalität zu rund 50 Prozent erblich ist? Kann ich ein Instrument nur halb so gut spielen wie jemand mit »perfekten« Genen, egal wie lange ich übe? Hier zeigt sich ein verbreitetes Missverständnis: die Vorstellung, das Erbgut bestimme unser Schicksal. Ein eindrückliches Beispiel schildert der Autismusforscher Thomas Bourgeron im Interview in diesem Heft.
Er traf eine Mutter, deren Sohn dank intensiver Förderung sprechen gelernt und sich gut entwickelt hatte. Als sie später erfuhr, dass der Sohn Träger einer genetischen Mutation ist, sagte sie: »Hätten wir das früher gewusst, hätten wir nicht so gekämpft. Ein Kampf gegen die Gene, dafür hätte ich nicht die Energie gehabt.« Das habe Bourgeron vor Augen geführt, wie sehr manche Menschen ihr Leben durch Erbfaktoren vorbestimmt sehen.
Für ihn ist klar: Gene beeinflussen unser Leben, doch sie legen es nicht fest.