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Gabeln und Gewissen. Körperdisziplin, höfische Scham und der lange Weg europäischer Tischkultur zur bürgerlichen Norm
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- Nombre de pages152
- FormatePub
- ISBN978-3-565-60433-3
- EAN9783565604333
- Date de parution31/07/2026
- Protection num.pas de protection
- Taille790 Ko
- Infos supplémentairesepub
- ÉditeurEmphaloz Publishing House
Résumé
Wer im mittelalterlichen Europa mit einer Gabel aß, riskierte mehr als schräge Blicke. Klerikale Stimmen erhoben sich gegen das Instrument als Zeichen von Eitelkeit und Gottlosigkeit - denn Gott hatte dem Menschen Finger gegeben, und diese durch Metall zu ersetzen, galt als Anmaßung. Doch die Geschichte der Gabel ist keine reine Kirchengeschichte. Sie ist eine Geschichte des Körpers, der Scham und der gesellschaftlichen Grenzziehung.
Höfische Benimmbücher des Mittelalters - von Thomasin von Zerklaere bis zu späteren humanistischen Traktaten - regelten das Verhalten am Tisch bis in kleinste Details: Wie man saß, wie man schluckte, wie man die Hände hielt.
In dieser Ordnung hatte die Gabel keinen Platz, weil sie weder notwendig noch neutral war. Sie galt als feminines Accessoire, zierlich und fremd, assoziiert mit dem venezianischen und florentinischen Patriziat, dessen Reichtum ohnehin mit Misstrauen betrachtet wurde. Als Bona Sforza 1518 mit Silbergabeln an den polnischen Hof kam, brachte sie nicht nur Besteck mit - sie brachte eine fremde Körpersprache. Was die Gabel schließlich aus der Sphäre des Verdächtigen befreite, war nicht höfische Mode, sondern Angst.
Seuchenzeit und wachsendes Körperbewusstsein veränderten die Bedeutung des gemeinsamen Essens. Berühren wurde gefährlich; Abstand wurde tugendhaft. In dieser Verschiebung - von der Theologie zur Hygiene, vom Sündhaften zum Sauberen - vollzog sich eine tiefgreifende Neuordnung des europäischen Körpergefühls, deren Konsequenzen weit über den Esstisch hinausreichen.
In dieser Ordnung hatte die Gabel keinen Platz, weil sie weder notwendig noch neutral war. Sie galt als feminines Accessoire, zierlich und fremd, assoziiert mit dem venezianischen und florentinischen Patriziat, dessen Reichtum ohnehin mit Misstrauen betrachtet wurde. Als Bona Sforza 1518 mit Silbergabeln an den polnischen Hof kam, brachte sie nicht nur Besteck mit - sie brachte eine fremde Körpersprache. Was die Gabel schließlich aus der Sphäre des Verdächtigen befreite, war nicht höfische Mode, sondern Angst.
Seuchenzeit und wachsendes Körperbewusstsein veränderten die Bedeutung des gemeinsamen Essens. Berühren wurde gefährlich; Abstand wurde tugendhaft. In dieser Verschiebung - von der Theologie zur Hygiene, vom Sündhaften zum Sauberen - vollzog sich eine tiefgreifende Neuordnung des europäischen Körpergefühls, deren Konsequenzen weit über den Esstisch hinausreichen.












