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Ein Jenseits der Verblendung? Eine Geschichte des Wahnsinns der Normalität. Band 2: Individuum und Gesellschaft im Neoliberalismus

Par : Uli Gierschner
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  • Nombre de pages594
  • FormatePub
  • ISBN978-3-6957-6251-4
  • EAN9783695762514
  • Date de parution27/04/2026
  • Protection num.Digital Watermarking
  • Taille651 Ko
  • Infos supplémentairesepub
  • ÉditeurBoD - Books on Demand

Résumé

"Wir neigen dazu, im Nationalsozialismus das letzte Kapitel des Sozialdarwinismus zu sehen, und verlieren dadurch die neueste Ausprägung aus den Augen. Es ist jedoch nicht allzu schwer, den Neoliberalismus als eine solche anzusehen." (Paul Verhaege, Psychoanalytiker). Das Erkennen des Charakters des Neoliberalismus fällt aber andererseits so schwer, weil der Neoliberalismus mittlerweile die Gesellschaft und die Individuen so umfassend und tief kolonisiert hat und uns deshalb als so normal erscheint, dass er fast schon als "ideologiefreie Ideologie" durchgehen kann.
Die im Zuge der Neoliberalisierung von Gesellschaft und Individuen vonstatten gegangene Verdrängung des positiven Bezogenseins auf den Mitmenschen bedeutet dabei keineswegs, dass die Gefühle ihre Wirkmächtigkeit eingebüßt hätten: Die Gefühle, die sich als Empathie, Glück und Vertrauen verabschieden mussten, kehren als Gier, Gewalt und Angst zurück. Einer Gesellschaft, die es schafft, sich im heutigen Maße zu entsolidarisieren, könnte aber eine Entsolidarisierung mit dem eigenen Selbst vorausgehen.
Letzteres ist allerdings ebenfalls schwer erkennbar, da die offenkundige Egozentrierung sie verdeckt. "Ein aufklärendes Potential dürfte allein schon in der Fragestellung liegen, wie man so wurde. Denn es gehört zu dem unheilvollen Bewußtseins- und Unbewußtseinszustand, daß man sein So-Sein - daß man so ist und nicht anders ist - fälschlich für Natur, für ein unabänderlich Gegebenes hält und nicht für ein Gewordenes." (Theodor W.
Adorno) Bleibt noch zu betonen, dass - entgegen einer zu oberflächlichen Wahrnehmung unserer Gegenwart - die Hegemonie des Neoliberalismus keineswegs gebrochen ist. "Geändert hat sich unter den Bedingungen der Polykrise allerdings die Tonlage: Statt aufgedrehter Freiheitsversprechen und penetranter Aktivierungsrhetorik dominieren Bedrohungsszenarien, Abstiegsängste und autoritäres Racketdenken." (Ulrich Bröckling et al.)