Nouveauté
Das Schweigen der Lippeauen
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- Nombre de pages163
- FormatePub
- ISBN978-3-565-47397-7
- EAN9783565473977
- Date de parution03/06/2026
- Protection num.pas de protection
- Taille516 Ko
- Infos supplémentairesepub
- ÉditeurEmphaloz Publishing House
Résumé
Hünxe am Wesel-Datteln-Kanal, Juli 1984. Kurz vor Mitternacht.
Der Kanal schläft nie. Auch wenn kein Kahn fährt, auch wenn die Schleusen geschlossen sind und das Wasser schwarz und still liegt - er atmet. Ein leises Gluckern unter den Dalben, das Knarzen der Poller, irgendwo das ferne Rumpeln eines Güterzugs auf der anderen Uferseite. Wer an diesem Kanal aufgewachsen ist, hört das nicht mehr. Es gehört einfach dazu, wie der Geruch von Diesel und feuchtem Schilf, wie das Quietschen der alten Eisenbrücke bei Wind.
Das Kind schläft.
Es liegt in einem Bett im Obergeschoss eines Hauses, das zu nah am Wasser gebaut wurde - das hat der Vater immer gesagt, als wäre es ein Vorwurf an jemanden, der nicht mehr da war, um sich zu verteidigen. Das Zimmer riecht nach Holz und nach dem leichten Modergeruch, der in Häusern am Kanal nie ganz verschwindet. Draußen geht jemand über den Treidelpfad. Schnelle Schritte. Dann keine mehr. Das Kind hört es nicht.
Das Kind schläft. Am nächsten Morgen ist die Frau fort. Die Nachbarn sagen, sie haben nichts gesehen. Der Mann sagt, sie ist einfach gegangen. Die Polizei nimmt eine Vermisstenanzeige auf, fragt zweimal nach, lässt es dann gut sein. Manche Frauen gehen, sagt der Beamte am Telefon. Manchmal kommen sie wieder. Diese nicht. Das Kind heißt Vera. Sie ist zwei Jahre alt. Vierzig Jahre später wird Vera Solberg an denselben Kanal zurückkehren.
Sie wird nicht wissen, dass sie schon einmal hier war. Sie wird denken, es ist ein Fall wie andere Fälle. Sie irrt sich.
Es liegt in einem Bett im Obergeschoss eines Hauses, das zu nah am Wasser gebaut wurde - das hat der Vater immer gesagt, als wäre es ein Vorwurf an jemanden, der nicht mehr da war, um sich zu verteidigen. Das Zimmer riecht nach Holz und nach dem leichten Modergeruch, der in Häusern am Kanal nie ganz verschwindet. Draußen geht jemand über den Treidelpfad. Schnelle Schritte. Dann keine mehr. Das Kind hört es nicht.
Das Kind schläft. Am nächsten Morgen ist die Frau fort. Die Nachbarn sagen, sie haben nichts gesehen. Der Mann sagt, sie ist einfach gegangen. Die Polizei nimmt eine Vermisstenanzeige auf, fragt zweimal nach, lässt es dann gut sein. Manche Frauen gehen, sagt der Beamte am Telefon. Manchmal kommen sie wieder. Diese nicht. Das Kind heißt Vera. Sie ist zwei Jahre alt. Vierzig Jahre später wird Vera Solberg an denselben Kanal zurückkehren.
Sie wird nicht wissen, dass sie schon einmal hier war. Sie wird denken, es ist ein Fall wie andere Fälle. Sie irrt sich.



